Der Organist

 

 

 

Gemess'nen Schrittes kommt daher

 

mit Mienenspiel wie Bachs Johann,

 

die Noten wiegen Tonnen schwer,

 

man sieht's – dies ist ein mächt'ger Mann!

 

Voll im Bewusstsein liegt es klar,

 

ein würdevoll hochwicht'ges Amt,

 

das hier einher schreitet – wie wahr -

 

ohn' ihn noch nie das Fest begann.

 

Stark ist der Schritt und fest das Bein,

 

diese Gestalt strahlt Kräfte aus.

 

Sie ist umgeben mit dem Schein

 

von Glorie und Sturmesbraus.

 

Wer ist's, der mit geballtem Willen

 

bezwingt der Noten großen Berg?

 

Der Organist, er kann erfüllen

 

der Musen hohes, hehres Werk!

 

 

 

Die Orgel wird schon aufgeklappt,

 

so bleibt die niedre Arbeit ihm erspart

 

auf dass die ganze Schöpferkraft

 

sich nur aufs Spielen streng bewahrt.

 

So sitzt er dann am Manual

 

und registriert den Psalmton acht,

 

nimmt Rohrflöte und Bass – zweimal,

 

dazu Vibrato, leis und sacht.

 

Er spielt, zunächst für den Gesang

 

noch recht verhalten und fast still.

 

Die Pfeifen pusten nur ganz bang,

 

die Vorsänger hört man recht schrill.

 

 

 

Mit der Gemeinde aber dann

 

greift er schon etwas in die Vollen

 

und fast ganz einig ist der Klang

 

vom Volke und des Meisters Wollen.

 

Zum Zwischenspiel wird er grandios,

 

gekoppelt sind Pedal und II.,

 

das Krummhorn quäkt und Mixtur tost,

 

die Kirche bebt – na, einerlei.

 

 

 

Zum heilgen Mahle dann mehr Ruh,

 

das sanfte Ave schmilzt im Raum,

 

geschlossnen Auges hört man zu,

 

die Süßigkeit ist tragbar kaum.

 

 

 

Der Höhepunkt aber folgt jetzt,

 

nicht Liturgie noch Priester stört,

 

die Messe endet, aus das Fest,

 

das Schlussspiel ist's, was nun betört.

 

Mit Holzgedackt, mit Principal,

 

die Offenflöte ebenso,

 

und Quinte, Gemshorn allzumal

 

alle Register, das macht froh!

 

Vorn am Altar die Kerzen zittern,

 

es rollt von Telemannes Werk

 

ein Opus und der Priester bibbert:

 

Herr hilf, dass nicht dein Haus zerstört.

 

Doch nun, das Stück ist überstanden,

 

mit lautem Ton endet der Satz.

 

Erleichtert geht das Volk von dannen

 

und leer ist nun der Laienplatz.

 

 

 

Der Pfarrer eilet ebenso der Sakristei entgegen,

 

nur noch ein Dank und herzensfroh

 

spend' er nochmals den sonntäglichen Segen.

 

Der Meister, er verlässt gestärkt

 

die Stätte seines Wirkens.

 

Wie gut, dass man auf ihn nur hört,

 

soll'n musikalisch Musen zirpen.

 

 

 

 

 

Maria Anna Leenen