Zweifeln

 

 

 

kann sehr nützlich sein

 

 

 

wenn das Gebräuchliche und angeblich Sonnenklare nicht mehr reicht

 

 

 

denn das Denken fällt wirklich denkenden Menschen schwerer als anderen

 

 

 

und auch das Sinnfällige fällt den wirklich Sinnenden nicht in den Schoß

 

 

 

Zweifeln

 

 

 

wichtiger Stachel zum Aufklaren im Aufklären

 

 

 

befreit durchs geduldige Prüfen

 

 

 

misstraut gut den Bräuchen und dem Tabu betonierter Meinungen

 

 

 

und auch allem dem, was „man“ glaubt

 

 

 

gänzlicher Zweifel aber

 

 

 

ist denkfeindlich

 

lähmt

 

beruhigt fatal fatalistisch

 

oft nihilistisch

 

 

 

wacher Zweifel ist menschlicher als das sprichwörtliche Irren

 

erwacht an dem, was scheinbar vor Augen liegt

 

 

 

denn

 

 

 

die Sonne

 

geht nicht im Osten auf

 

geht nicht im Westen unter

 

 

 

das erkannte guter Zweifel einst

 

 

 

u n d

 

 

 

bejaht gegen Luther die Närrin Vernunft als weise

 

und den Widerspruchsgeist des Abälard gegen die Festfrommen der Christen

 

wie

 

den erkundenden Geist des Galilei gegen die römische Inquisition

 

das Denken des Avicenna gegen den vermeintlichen Glaubensretter Algazel im Islam

 

 

 

ja

 

 

 

dubito, ergo cogito, ergo sum

 

im Zweifeln bin ich

 

zumindest zweifelnd d a

 

 

 

war dem Descartes tiefere Weise im Denken

 

 

 

nicht um an spröderen Ketten zu hängen

 

 

 

viel mehr

 

 

 

um wirkliche Blumen zu sehen, zu atmen, zu riechen

 

 

 

das Glück

 

 

 

im Vielleicht

 

 

 

dann

 

 

 

viel

 

 

 

leicht

 

 

 

hoffentlich

 

 

 

 

 

                        markus roentgen