Tango himmelwärts

 

        

 

Schreiten – Schreiten – schwerer Schritt

 

Stilles Stehen – um sich drehen:

 

Knarzig, traurig, „Heimweh“ rufend

 

Sehnsuchtsvoll nach einem Klang.

 

 

 

Schreiten – Schreiten – Wiegeschritt

 

Wendend und nach vorne sehen.

 

Seele spann’ die Flügel aus und

 

Fliege, schwing’ dich hoch hinaus!1

 

Vorwärts, weiter, tiefer, höher

 

In Gottes Arme, will nach Haus.

 

 

 

Schreiten – Schreiten – tastend Gleiten

 

Voll Geheimnis, kann’s nur ahnen:

 

Der Wind, er atmet’s, göttlich Wort

 

Bäche murmeln, Vögel singen’s all.

 

 

 

Schreiten – Schreiten – zugewandt

 

Seufze, schreie, springe – steh!

 

Lass dich fallen, wirst gefangen

 

Gehalten ja, getragen gar.

 

 

 

Schreiten – Schreiten – abgehoben - hochgehoben

 

Fließend, leidenschaftlich, feurig, torkelnd

 

Raus aus Raum, aus Zeit, aus Enge rasend

 

Folgen, Ranziehen, Niedersinken –

 

Finde dich im traulich Band.

 

 

 

Schreiten – Schreiten –  Schwung herum

 

Promenade, spielend Durch – Seit’ -  Schluss

 

Oh Schöpfungswunder – Weisheitskind!

 

Komm und freudig tanz’ mit mir

 

Durch offne Türen zum Schöpfer hin

 

 

 

Unendliches Verlangen – erhofftes Erfüllen

 

Federleicht der Morgenröte entgegen.  

 

                                      

                                      Christa Köhler

                                                 inspiriert durch das Buch der Sprüche, 8. Kapitel, Verse 22-35      

                                                                       1  Eichendorff