endlich frei

 

wir sind schön

unsren wunden und narben

zum trotz

 

im treppenhaus

beobachte ich einen

schmetterling

 

wieder und wieder

taumelt er flatternd

am fensterglas

 

dem licht entgegen

 

schön ist der schmetterling:

ein pfauenauge mit

leuchtenden farben

 

ich öffne das fenster

und helfe ihm

ins freie

 

flatternd steigt er auf

jubelt hoch hinaus in den

eisgrauen novemberhimmel

 

endlich frei

 

bis er

für immer

verschwindet

 

wir sind schön

der eiseskälte

zum trotz

 

freigelassen ins

leben und sterben

lichtwärts:

 

was für ein trost!

 

 

Max-Josef Schuster