über die rote linie

 

 

 

                        der löwe brüllt –

 

                        wer fürchtet sich nicht?

 

 

 

als ihm der priester

 

im goldgewand

 

die oblate

 

gegeben hat

 

schert er

 

aus der heiligen

 

ordnung aus und

 

übertritt in seinem

 

abgewetzten

 

anorak die

 

 

 

unsichtbare

 

rote linie

 

 

 

er

 

steigt die

 

vielen stufen

 

immer weiter

 

hinauf

 

 

 

und der weg

 

dehnt und dehnt

 

sich

 

 

 

es wird

 

gefährlich still

 

um ihn und

 

einsam

 

und die schwarzen

 

bilder fluten wieder

 

sein herz

 

 

 

und es

 

pocht und pocht

 

immer lauter

 

 

 

bis er

 

am altar

 

ankommt

 

und den kelch

 

nimmt

 

 

 

durstig nach

 

gerechtigkeit

 

 

 

doch

 

der kelch ist

 

leer

 

sie haben

 

alles restlos

 

ausgetrunken

 

da ist nichts

 

mehr kein einziger

 

tropfen

 

für ihn

 

 

 

NICHTS

 

 

Max-Josef Schuster