Stadtrand-Blues

 

 

 

Weil meine Sehnsucht keinen Namen und keinen Horizont hat, weiß ich nicht wohin. Weil ich nicht dorthin gehen will, wo ich mich bereits auskenne, gehe ich in die andere Richtung:

 

 

 

Eine Straße mit Einfamilienhäusern und Vorgärten. Nichts spricht mich an.

 

 

 

Am Ende der Straße: eine muffige Kirche und ein Altersheim.

 

 

 

Dann geht es nicht mehr weiter: meterhohes Schilf und dichtes Gebüsch, Sperren und Stacheldraht.

 

 

 

Es beginnt zu regnen.

 

 

 

Ist es das?

 

 

 

Ich muss dringend pinkeln. Hier gibt es nirgends ein öffentliches Klo.

 

 

 

Meiner Sehnsucht folgen: eine Sackgasse?

 

 

 

Ich kehre um.

 

 

 

Das Gebüsch eignet sich gut zum Pinkeln. Der Regen hört wieder auf.

 

 

 

Ich spüre: alles ist da.

 

 

 

Der Wind. Die Wolken. Das Licht. Die Welt.

 

 

 

Ich lebe.

 

 

 

Ich gehe. Zurück?

 

 

 

Zwischen den adretten Häusern mit ihren gepflegten Vorgärten ein altes, ein wenig heruntergekommenes Haus mit einem großen verwilderten Garten.

 

 

 

Meterhohe Rosenbüsche mit üppigen Blüten, fast schon verwelkt.

 

 

 

Der Duft der Rosen.

 

 

 

Ist das Haus verlassen?

 

 

 

Die Hecke ist akkurat geschnitten, der Rasen sorgfältig gemäht. Eine Kinderrutsche in blau und gelb.

 

 

 

Du –

 

 

 

mein geheimnisvoll wilder Garten!

 

 

 

 

 

Max-Josef Schuster