Gezeichnet

 

Sie hat rotes Haar,

lodernd wie Feuer,

verfilztes Gestrüpp

mit einer Schleife

darin als Diadem.

 

Königlich residiert sie

auf der Schwelle

eines verlassenen Hauses,

lang schon verwaist

und leer.

 

Bei Wind und Wetter

verweilt sie in Treue

mit ihrer Habe

in Tüte und Pappkarton.

Und tritt einer

 

näher an sie heran,

herrscht sie ihn an:

Bleib nicht stehen!

Und sie bedeutet ihm

mit funkelndem Blick

 

weiter zu ziehen.

Sie lehrt dich

zu schweigen,

mitleidslos

ihre Fremdheit

 

zu ertragen, vielleicht

auch die deine.

Gezeichnet an Leib

und Seele, lässt sie

dich fragen:

 

Wer bist du?

Was ist dir begegnet?

Wer?

Sie scheint seltsam

gesegnet.

 

Lisa F. Oesterheld